Ich möchte nach langer Funkstille meine aktuellen Gefühle und Einstellungen gegenüber Parkour darstellen. Ich hoffe dass ich durch das schreiben auf neue Erkenntnisse oder Denkansätze kommen werde.
Am besten ich beginne am Anfang. Ich wollte unbedingt was für meine Figur tun. Nach großer Suche hatte ich dann Workouts von FightersFitness gefunden und begann diese umzusetzen. Nicht lange weil es mir an Disziplin fehlte. Aber ich wollte unbedingt was für mich tun. Und genau zur richtigen Zeit betrat Parkour mein Leben. Das war so gegen Pfingsten dieses Jahres. Ich hatte wie viele andere ein Video gesehen und dachte "Das sieht ja jetz net so schwer aus, ich bin ja sonst auch über alles drüber gehüpft, nimmste mal deinen Rucksack und auf gehts". Gesagt getan, ab zum Spielplatz, Kniefigger Sprung von dem 2 Meter Turm und irgendeine Rollähnliche Bewegung. Natürlich alles mit Handschuhen. Stolz und voller Energie und selbstüberzeugung schlafen gegangen und am nächsten Tag das gleiche nur mit Kamera.
Alles Dreck wie sich ein paar Tage später in der Trainingspause erwies. Ich hatte so ziemlich den Start erwischt der nicht als der empfehlenswerteste gilt. Raus getraut habe ich mich erst wieder als ich so wirklich alles gelsen hatte was es für Anfänger zu lesen gibt. Von Schuhdiskussionen bis hin zu Artikeln zu denen ich noch keine Grundlage besaß aber trotzdem mitschrieb und zureccht gestutzt wurde (Danke).
Das richtige Training begann dann geordnet und mit intensiven Parkourbezogenem Krafttraining. Ich wurde oft von Klassenkameraden nur belächelt, aber vielleicht habe ich deshalb weiter gemacht. Ich wollte mir beweisen dass ich nicht nur ein kleiner Haufen Scheisse im riesigen Universum bin, sonder dass ich was kann worauf ich stolz sein kann. Und nur ich sollte bestimmen können wie weit ich gehe. Handball hat feste Regeln und Trainingszeiten. Leistung wird in jedem Spiel gefordert. Und ich konnte diese Leistung auf Dauer einfach nicht bringen. Parkour hingegen war so schwer wie ich es mir machte und so gefährlich wie ich es bestimmte. Ausserdem machte ich riesige Fortschritte am Anfang. Doch irgendwann reichte es mir nicht mehr alleine zu trainieren und nach langer und beschwerlicher Internetrecherche fand ich in Mannheim Traceure mit denen ich heute noch jeden Samstag trainiere.
Nach und nach machte sich bemerkbar, dass Parkour alles andere als nur ein Sport ist. Es ist auch eine Lebenseinstellung soweit ich dies für mich sagen kann. Es sind nicht die Bewegungen sondern das Training was es ausmacht. Es gehört mehr dazu als körperliche Fitness. Auch geistige . Und natürlich der von mir anfänglich sehr vernachlässigte Wissenschaftliche Teil. Wie ist mein Apparat eigentlich aufgebaut mit dem ich trainiere ? Wie funktioniert er ? Wie wird er belastet und wie kann ich diese Belastung minimieren ? Auf diese Fragen suche ich heute noch Antworten. Ich nmöchte mir aber so viele Aspekte wie möglich selbst erarbeiten.
Das liegt wahrscheinlich an einem von Blanes Artikeln in dem er über Traceure der ersten Stunde berichtet . Viele solcher Beiträge erfahrenerer Traceure haben mich beeinflusst. Malte im Forum mit seinem Weg eigene antworten auf Fragen zu finden, Dirk mit seiner Diziplin und Leichtigkeit, Blane mit seinen bedeutenen Artikeln. Das sind nur 3 meiner Größen wie ich sie nennen würde. Ich richte meinen Dank an sie. Wahrscheinlich kennen sie mich nicht und werden das hier niemals lesen. Vielleicht.
Vieles hat mich beeinflusst oder tut es noch immer auf meinem Weg. Ich werde viele Fehler machen. Ich werde so weit kommen wie ich kann. Doch ich habe gerade den ersten Schritt gemacht auf einer langen Reise. Den ersten kleinen. Ich habe erkannt, dass Parkour mehr ist als Sport. Viel mehr. Ich möchte unabhängig von anderen sein und doch von ihnen lernen können. Ich will meinen Weg vom schemenhaften in einen konkreten, klaren verwandeln. Denn ich wandel aktuell lediglich. Ich habe das Gefühl es geht nicht weiter. Ich muss mir Ziele setzen, aussortieren. Ich muss spielen, lernen wie ein Kind das auf eine Herdplatte greift. Aber ich will mich nicht verbrennen sondern lediglich spüren "Hoppla das ist warm".
Parkour kann deinen Lebenstil umkrempeln. Parkour hat es geschafft dass ich mir solche Gedanken mache.
Und es soll nicht bei Gedanken bleiben. Ich kann es nicht einmal ausdrücken was ich ganz genau will. Mein erstes Ziel ist es mit einem Traceur der schon erheblich mehr erfahren hat als ich zu reden. Oder zu trainieren. aber mir geht es darum, mich weiterzubilden, meinen Horizont zu erweitern. Ich möchte nicht einer von vielen werden. Es gibt wie ich finde herausragende Traceure. Herausragend durch Disziplin, Sicherheit und anderes was viele schreiben. Aber das besondere an ihnen ist es, dass sie es nicht schreiben sondern einfach tun.
Ich werde diese meine aktuelle Phase später vielleicht als Pubertär betrachten. Ich verbinde mit Parkour die Suche nach einem Sinn. Ich klammere mich förmlich daran weil ich nichts vergleichbares bis jetzt erfahren habe. und obwohl ich nur vom schlammigen Randwasser des riesigen Meeres probiert habe (oder gerade deswegen) möchte ich auch mal das reine in der Mitte probieren.
Ich setze meine Suche fort.
Ich muss noch kräftig gegen den Strom schwimmen.
Vielleicht komme ich nie an.
Vielleicht
Robert
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